Oral History in Offenbach: Szenen migrantischen Lebens
Institut für Allgemeine und Vergleichende LiteraturwissenschaftGoethe-Universität Frankfurt am Main
Das Projekt, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Förderprogramms DATIpilot und innerhalb der an der Hochschule für Gestaltung Offenbach angesiedelten Innovationscommunity Transformation by Design (TraFoDes) von März 2026 bis Februar 2028 gefördert wird, untersucht die Oral History – die mündliche Selbsterzählung – migrantischen Lebens in der Stadt Offenbach.
Es verbindet dazu erstmals Methoden der interdisziplinären Sozialforschung mit Ansätzen der künstlerischen Forschung. Fünf Schriftsteller:innen führen biografisch-narrative Interviews mit Menschen, die von den 1950er bis 1990er Jahren nach Offenbach eingewandert sind. Aus diesem Sample mündlicher Geschichten, die im Rahmen einer qualitativ-empirischen Feldforschung aufgezeichnet und sozialwissenschaftlich ausgewertet werden, entsteht ein Site-Specific Research. Es entstehen literarische Erzählungen, die nicht ungeachtet, aber doch über die Bedürfnisse und Herkünfte der Einzelnen hinaus als Allegorien gesellschaftlicher Verhältnisse interpretierbar sein sollen und gesammelt als literarische Anthologie – als Szenen migrantischen Lebens – veröffentlicht und an eine breite Öffentlichkeit kommuniziert werden.
Unser Ziel ist es, migrantische Geschichte aus sich selbst heraus erzählbar zu machen und in bestehende Diskursräume zu integrieren. Assoziierte Partner sind das Haus der Stadtgeschichte Offenbach, der Integrationsbeauftragte der Stadt Offenbach, das Frankfurter Institut für Sozialforschung (IfS), die zivilgesellschaftliche Initiative VAIR und die literarische Initiative PRÄPOSITION (praeposition.com).
Die künstlerische Forschung, die im Mittelpunkt dieses Projekts steht, wird durch eine wissenschaftliche Begleitforschung ergänzt, die ausgehend von ihrer teilnehmenden Beobachtung die neue Methode und ihre Ergebnisse diskutiert. Sie untersucht das epistemische Potential literarischer Erzählungen für eine Sozial- und Migrationsgeschichte und erarbeitet wissenschaftliche Beiträge zu den Feldern künstlerische Forschung, Oral History sowie Sozialtheorie und Zeitgeschichte.
Das Projekt versteht sich demnach als Pilotprojekt: Ausgehend von der Oral History migrantischen Lebens und deren Übersetzung in Literatur soll ein transferfähiges Modell partizipativer kunstbasierter Sozialforschung erarbeitet werden, das Anschlussprojekte motiviert, die die Sichtbarmachung, Selbstermächtigung und diskursive Integration der Bürger:innen fördern. Damit positionieren wir dieses Projekt inmitten einer weitreichenden Transformation demokratischer Öffentlichkeit, die zu gestalten auch die gemeinsame Aufgabe von Wissenschaft und Künsten ist.
Bei Interesse an unserer Arbeit schreiben Sie mir an burgemann@em.uni-frankfurt.de